The Voice of the Phoenix, Postwar Architecture in Germany, John E. Burchard, MIT-Press 1966

Phoenix-Haus (Dreischeibenhaus) und Tausendf├╝├čler auf dem Einband des Buchs

Konnten die Amis in den Sechzigern etwas von den Deutschen lernen? Mit dieser Fragestellung kam John Burchard, angesehener Architekturkritiker und -historiker, Pr├Ąsident der American Academy of Arts and Sciences, 1963 nach Westdeutschland und untersuchte monatelang die wiederaufgebauten Gro├čst├Ądte der Republik im Hinblick auf Architektur und Stadtplanung.

Bereits 18 Jahre vorher „...when the rubble in all German cities would have provided enough material for a wall four feet thick and eight feet high around the United States. 1 ÔÇŁ bereiste Burchard im Auftrag der US-Regierung das v├Âllig zerst├Ârte Deutschland und war vor diesem Hintergrund von den vollzogenen Wiederaufbauleistungen unter schwierigsten finanziellen Bedingungen sehr beeindruckt.

Es war nicht die typisch US-amerikanische The-Next-Big-Thing-Architektur, die in erster Linie Feuilletons, Architekturkritiker und Architekten kurzfristig begeisterte, sondern durchdachte, funktionierende, f├╝r Menschen und ihre Bed├╝rfnisse geplante Architektur, die er in Deutschland vorfand.
Sein besonderes Lob findet die social architecture, die f├╝r ihn sozialer Wohnungsbau, Theater, Museen, ├Âffentliche B├Ąder, Stadthallen, aber auch Kirchen einschlie├čt.
Burchard sah den Grund f├╝r die „funktionierendere“ deutsche Architektur in einer wesentlich besseren Ausbildung der Architekten. So waren ├╝ber die H├Ąlfte der renommierten bundesdeutschen Architekten auch mit Lehrauftr├Ągen an Hochschulen pr├Ąsent, in den USA waren es lediglich ein Drittel der angesehenen Architekten. Auch war der Austausch der lehrenden Architekten zu anderen akademischen Fakult├Ąten wie z.B. der Soziologie intensiver als in den USA.

Im Wiederaufbau-St├Ądteranking sieht Burchard Gewinner und Verlierer. Berlin, Stuttgart und D├╝sseldorf werden f├╝r gelungene architektonische und st├Ądtebauliche Wiederaufbauma├čnahmen hervorgehoben; M├╝nchen, Hannover und K├Âln fallen in seinem Urteil zur├╝ck.

Nahezu euphorisch l├Ąsst er sich ├╝ber das Phoenix-Hochhaus (sp├Ąter Thyssen-Hochhaus oder Dreischeibenhaus) in D├╝sseldorf aus. F├╝r ihn war es der Inbegriff gelungener, eigenst├Ąndiger Wiederaufbauarchitektur aus Deutschland und somit Grund genug den Einband zu schm├╝cken und im Titel des Buchs Erw├Ąhnung zu finden.

Burchards Antwort auf seine Fragestellung:
Ja, die Amis konnten etwas von der deutschen Baukultur lernen.
Weniger Show und Chi-Chi, daf├╝r mehr Inhalt.


1 https://mitpress.mit.edu/books/voice-phoenix

Architekturf├╝hrer D├╝sseldorf, Reimer Verlag 2001

Architekturf├╝hrer D├╝sseldorf, Reimer Verlag

Grundlage vieler Objektbeschreibungen auf Dazzledorf sind die sehr guten Informationen aus dem Architekturf├╝hrer D├╝sseldorf des Reimer Verlags. Nicht nur architektonische, sondern auch bauhistorische Details sowie Informationen zu den Architekten sind in diesem Nachschlagewerk zu finden.

Momentan ist er leider neu nicht lieferbar, antiquarisch aber problemlos zu kaufen.

ISBN 10: 3496012323
ISBN 13: 9783496012320

Dazzledorf – Vorort der Welt, Charles Wilp, Melzer-Verlag 1979

Dazzledorf von Charles Wilp

Charles Wilp schuf 1979 ein ungew├Âhnliches Stadtportrait D├╝sseldorfs. 20 Jahre dokumentierte er Menschen, Ansichten und Ereignisse dieser Stadt. Die formale Gestaltung verweist auf Wilps Beruf als Werbeprofi, der seinen Durchbruch 1968 mit der noch heute zitierten Werbung f├╝r Afri-Cola feierte. Das Buch ist durchzogen von riesigen Lettern, kurzen pr├Ągnanten (Werbe)texten und ungew├Âhnlichen Bildausschnitten. Es ist nicht nur ein Spiegel D├╝sseldorfs der damaligen Zeit, sondern auch ein Lehrst├╝ck der Werbegrafik der Siebziger Jahre.

Der Spiegel, 16.04.79: Wilps Portrait von D├╝sseldorf
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40350338.html